Sensorische Integration & Kinderyoga – Mit der Detektivbrille durch die Welt der Basissinne
Wie uns das Wissen über die drei Basissinne hilft, Kinder besser zu verstehen – mit persönlichen Erfahrungen, wertvollen Erkenntnissen und Einblicken in das Kinderyoga.

Kennst du ein Kind, das am liebsten stundenlang schaukelt, klettert oder kaum stillsitzen kann?
Vielleicht fällt dir aber auch ein Kind ein, das Schaukeln meidet, Fingerfarben nicht mag oder Berührungen lieber ausweicht.
Auch wenn die Kinder dadurch sehr unterschiedlich in ihren Vorlieben sein können, haben sie doch eines gemeinsam. Sie zeigen uns über ihr Verhalten, welche Sinneserfahrungen sie besonders suchen – oder welche sich noch eher vermeiden.
Das Wissen über die sensorische Integration und die Bedeutung der Basissinne hat meinen Blick auf Kinder schon vor vielen Jahren grundlegend verändert. Besonders geprägt haben mich dabei die Erkenntnisse und neurobiologischen Ansätze von Gerald Hüther.
Mit diesem Artikel erfülle ich mir einen lang gehegten Wunsch: meinen persönlichen Erfahrungsschatz und meine Erkenntnisse aus vielen Jahren Arbeit als Kinderpsychologin rund um die sensorische Integration und Kinderyoga mit dir zu teilen.
Die drei Basissinne im Kinderyoga – das Fundament der Entwicklung
Die drei Basissinne spielen in der sensorischen Integration eine zentrale Rolle. Da es dazu bereits viele fundierte Beiträge gibt, möchte ich sie an dieser Stelle nur ganz kurz vorstellen und gleichzeitig zeigen, wie wunderbar sie im Kinderyoga angesprochen werden können.
Der Gleichgewichtssinn oder auch vestibuläre Wahrnehmung, hilft uns, unseren Körper sicher im Raum zu bewegen.
Ins Gleichchgewicht kommen mit Kinderyoga:
Im Kinderyoga wird der Gleichgewichtssinn besonders durch die vielen spielerischen Stand- & Balancepositionen angesprochen. Ob Adler, Baum, Berg, Einhorn oder Flamingo – die Kinder üben ganz nebenbei, ihr Gleichgewicht zu halten, und sammeln dabei wertvolle Erfahrungen für die Entwicklung dieses Sinnes. Außerdem förden die Asanas im Stehen neben dem Gleichgewichtssinn auch gleich die Konzentration und helfen den Kindern sich zu fokussieren. So wie beispielsweise unser "Konzentrations-Flow".
Kinderyoga-Affirmation: "Mutig und stabil steh ich da"
Die Tiefenwahrnehmung, auch propriozeptiver Sinn genannt, informiert unser Gehirn über die Stellung und Bewegung unseres Körpers sowie über die Arbeit unserer Muskeln und Gelenke. Immer wenn Kinder ziehen, schieben, klettern oder schwere Dinge tragen, sammelt das Gehirn hier wertvolle Informationen.
Von der Körperwahrnehmung zur Selbstwahrnehmung mit Kinderyoga: Im Kinderyoga wird dieser Sinn durch nahezu alle Yogapositionen angesprochen. Besonders bei Übungen, in denen Kinder ihre Muskeln bewusst einsetzen, sich abstützen oder ihr eigenes Körpergewicht tragen, wie beispielsweise bei der Kobra oder beim Hund, können sie ihren Körper intensiv wahrnehmen. So bietet Kinderyoga vielfältige Möglichkeiten, sich selbstbestimmt wertvolle Sinneserfahrungen zu holen.
Der dritte Basissinn ist der Tastsinn. Er hilft uns, Berührungen, Temperatur und unterschiedliche Oberflächen wahrzunehmen.
Ins Spüren kommen mit Kinderyoga
Besonders in Entspannungsphasen arbeiten wir im Kinderyoga gerne mit kleinen Massagegeschichten, sanften Berührungen und spielerischen Elementen, die die taktile Wahrnehmung ansprechen. Dabei darf jedes Kind selbst entscheiden, ob und wie es berührt werden möchte.
Diese drei Basissinne bilden ein wichtiges Fundament für viele weitere Entwicklungsschritte. Kinderyoga bietet zahlreiche Möglichkeiten, sie auf spielerische Weise anzusprechen und Kindern vielfältige Sinneserfahrungen zu ermöglichen.
Unterschiede in der Reizverarbeitung
Kinder die intensive Sinneserfahrungen suchen – Reizsucher
Vestibuläre Reizsucher:
Du kennst bestimmt auch Kinder, die scheinbar dauernd in Bewegung sind. Sie erklimmen jeden Baum, balancieren über jeden Bordstein und lieben es, zu schaukeln oder sich zu drehen. Diese Kinder fühlen sich in Bewegung einfach sicherer. Die vestibuläre Stimulation gibt ihrem System offenbar jene Sinnesnahrung, die es noch braucht. Wenn diese Kinder stillsitzen sollen, fällt ihnen das meist noch schwer und verlangt ihrem System viel Energie ab. Zum wichtigen Wort „noch“ später mehr.

Aus der Kinderyoga-Praxis
Wenn dir Kinder auffallen, die bei Standpositionen noch unsicher sind (für manche Kinder kann übrigens schon der Berg eine Herausforderung sein), kannst du sie im Kinderyoga auch ganz bewusst zu Boden plumpsen lassen, weil beispielsweise ein Apfel vom Apfelbaum gefallen ist. Oder sie dürfen sich in eine Kobra verwandeln, die sich genüsslich unter dem Baum räkelt. Dabei sammeln sie intensive Erfahrungen über die Tiefenwahrnehmung, ohne dass ihr Gleichgewicht stark herausgefordert wird. Auch das Berg-Sandhaufen-Spiel bietet hier schöne Möglichkeiten.
Tiefenwahrnehmungs-Reizsucher
Dann gibt es noch die Kinder, die es lieben, sich selbst intensiv zu spüren. Sie freuen sich, wenn sie schwere Gegenstände tragen oder ziehen dürfen, klettern gerne und suchen sich generell Möglichkeiten für intensive Muskelarbeit. Kinder, die besonders intensive Reize in der Tiefenwahrnehmung suchen, haben möglicherweise noch Schwierigkeiten, ihren eigenen Körper und seine Position im Raum klar wahrzunehmen, ecken auch mal gerne an oder können Gefahren noch nicht richtig einschätzen.
Kinder die Berührungen lieben
Und dann gibt es Kinder, die taktile Sinneserfahrungen
besonders lieben. Sie matschen begeistert mit Sand, Erde oder Wasser, erkunden neugierig unterschiedliche Materialien und laufen gerne barfuß. Oft suchen sie auch von sich aus Körperkontakt, fordern Berührungen ein und genießen sanfte Massagen.
Wenn Kinder bestimmte Reize lieber vermeiden - Reizvermeider
Was für manche Kinder eine angenehme Sinneserfahrung ist, kann für andere schnell zu intensiv werden. Ihr Nervensystem reagiert möglicherweise empfindlicher auf bestimmte Reize, weshalb sie diese lieber vermeiden.
Vielleicht kennst du ein Kind, das nicht gerne schaukelt, sich auf dem Klettergerüst unsicher fühlt oder Drehbewegungen vermeidet. Diese Kinder fühlen sich möglicherweise sicherer, wenn sie festen Boden unter den Füßen haben und ihre Bewegungen selbst kontrollieren können. Bei einer stärkeren Ausprägung des Vermeidungsverhaltens gegenüber vestibulären Reizen kann es für das Kind sehr unangenehm sein, unerwartet angerempelt oder ungewollt Schaukelbewegungen ausgesetzt zu werden.
Andere Kinder mögen es nicht, mit Fingerfarben zu matschen, laufen ungern barfuß oder empfinden bestimmte Materialien oder auch sanfte Berührungen als unangenehm.
Aus meiner Praxis: Wie das Wissen um die Basissinne zum wertvollen Schatz in der Elternarbeit wird
Ich kann mich noch gut an eine Mutter erinnern, die mir unter Tränen erzählte, dass sich ihre Tochter nicht umarmen lassen wollte. Berührungsreize waren für sie offenbar noch zu intensiv und wurden von ihr unangenehm wahrgenommen. Sie wollte auch keine Strumpfhose anziehen und Haare Bürsten war ebenso nur im entspannten Zustand möglich.
Überall sah sie Kinder, die gerne kuschelten oder von sich aus Nähe suchten. Ihre Tochter hingegen wich Berührungen aus. Die Mutter fragte sich, ob sie etwas falsch machte oder warum gerade ihr Kind ihre Umarmungen ablehnte.
Als ich ihr die Basissinne erklärte und wir genauer über die taktile Wahrnehmung sprachen, wurde ihr bewusst, dass ihre Tochter nicht sie als Mama ablehnte. Gemeinsam haben wir ihre Entwicklung beleuchtet und sie verstand, dass Berührungsreize für ihre Tochter meist noch als unangenehm wahrgenommen wurden.
Allein dieses Wissen war für sie eine große Erleichterung.
Ich zeigte ihr an ihrem eigenen Arm den Unterschied zwischen einem taktilen Reiz, indem ich sanft über ihre Haut strich, und einem Reiz, der in die Tiefe geht, indem ich meine Hand großflächig und mit leichtem Druck auf ihren Arm legte. Da ich davon ausging, dass genau diese tieferen Reize von ihrer Tochter vermutlich nicht als unangenehm empfunden werden würden.
Gemeinsam überlegten wir, welche Basissinne ihre Tochter besonders liebte. Dabei fiel auf, wie gerne sie schaukelte, balancierte und sich bewegte. Die Mutter begann, genau diese Erfahrungen bewusst in den Alltag einzubauen und gab ihrer Tochter gleichzeitig die Zeit, die sie brauchte.
Einige Zeit später erzählte sie mir, dass ihre Tochter von sich aus begann, Berührungen immer mehr zuzulassen.
Diese Begegnung hat mich sehr berührt. Sie zeigt, wie entlastend es sein kann, wenn wir verstehen, was hinter dem Verhalten eines Kindes steckt.
Individuelle Entwicklung und Zeit für Integration
Kinder befinden sich in einer ständigen Entwicklung. Auch die Reizverarbeitung entwickelt sich Schritt für Schritt weiter und ist bei jedem Kind ganz unterschiedlich. So wie sich Kinder in ihrer Augen- und Haarfarbe, ihrem Charakter oder ihrem Temperament unterscheiden, so entwickelt sich auch ihre sensorische Reizverarbeitung ganz individuell.
Deshalb habe ich Eltern, mit denen ich über die sensorische Entwicklung ihres Kindes gesprochen habe, gerne mit einem einfachen Satz begleitet:
Es ist nicht gut. Es ist nicht schlecht. Es ist im Moment einfach so.
Ein weiteres kleines Wort hat mich besonders im Austausch mit Eltern immer wieder begleitet: NOCH.
Vielleicht fühlt sich Schaukeln für ein Kind im Moment noch unangenehm an. Vielleicht fällt es ihm noch schwer, längere Zeit ruhig zu sitzen oder sanfte Berührungen zu genießen. Das bedeutet nicht, dass es immer so bleiben wird.
Aus meiner Erfahrung heraus nimmt dieses kleine Wort viel Druck heraus. Wenn wir es verwenden erinnern wir uns daran, dass Entwicklung kein Zustand, sondern ein Prozess ist. Manche Entwicklungsschritte brauchen einfach noch etwas Zeit.
In diesem Zusammenhang fällt mir der Spruch vom „Kleinen Prinz“ ein den ich generell sehr liebe:
„Das Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht…“
Dabei möchte ich betonen, dass ich mich in diesem Artikel auf die individuellen Unterschiede in der kindlichen Reizverarbeitung beziehe und nicht näher auf sensorische Integrationsstörungen eingehe. Zeigt ein Kind besonders ausgeprägte und anhaltende Auffälligkeiten in der Reizverarbeitung, möchte ich dir ans Herz legen, unbedingt fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Mit der Detektivbrille unterwegs
Je mehr ich über die drei Basissinne erfahren habe, desto neugieriger begann ich, Kinder wie ein kleiner Detektiv zu beobachten und ermutigte auch die Eltern dazu.
Was spielt ein Kind von sich aus besonders gerne? Wie bewegt es sich? Welche Sinneserfahrungen liebt es und welche meidet es vielleicht noch? Fühlt es sich im statischen Gleichgewicht sicher – also beim ruhigen Stehen oder Sitzen – oder sucht es durch ständige Bewegung zusätzliche Stimulation? Was macht es am liebsten im Garten?
Denn wenn Kinder bestimmte Sinneserfahrungen intensiv suchen oder auch meiden, können wir daraus wertvolle Hinweise auf ihre individuellen Bedürfnisse und ihre Reizverarbeitung gewinnen.
Erkennen wir diese Vorlieben, können wir ein Umfeld schaffen und Angebote gestalten, die den Kindern genau jene Sinneserfahrungen ermöglichen.
Die drei Basissinne – Ausgleich schaffen
Nachdem wir die Kinder mit unserer Detektivbrille gut kennengelernt haben, können wir den Blick ganz bewusst auf das Positive richten.
Was ein Kind liebt – mehr davon!
Dabei behalten wir im Hinterkopf, welche Sinneserfahrungen ein Kind vielleicht noch meidet, legen den Fokus aber vor allem darauf, welche es liebt und mit Freude aufsucht.
Denn kaum ein Kind meidet alle Basissinne. Meist gibt es Bereiche, in denen es sich sicher fühlt und in denen es gerne Erfahrungen sammelt.
Vor allem den Tiefenwahrnehmungssinn selbstbestimmt zu spüren, ist für so gut wie alle Kinder angenehm.
Und da können wir wunderbar ansetzen.
Wenn ein Kind beispielsweise nicht gerne schaukelt, wird es nicht die Lösung sein, es dauernd zu drängen: „Geh doch mal auf die Schaukel!“ sondern zu schauen, wie es mit der taktilen Wahrnehmung aussieht und wie man ihm selbstbestimmt propriozeptive Reize ermöglichen kann.
Aufsaugen wie ein Schwamm – Sättigung - Ausgleich
Ich durfte häufig beobachten, dass sich das gesamte System weiterentwickelt, wenn wir einem Kind ermöglichen, viele positive Sinneserfahrungen in jenen Bereichen der Basissinne zu machen, die es besonders gerne aufsucht.
Du kannst dir dabei das Gehirn in Bezug auf jene Basissinne, in denen ein Kind intensiv nach Reizen sucht, wie einen trockenen Schwamm vorstellen. Solange der Schwamm trocken ist, saugt er Wasser auf. Erst wenn er gesättigt ist, verändert sich etwas.
Ähnlich scheint es mit der Reizverarbeitung von Kindern zu sein, die in einem oder mehreren Basissinnen Reize suchen. Erhält das Gehirn immer wieder genau jene Stimulation, nach der es sucht, kann es nach meiner Erfahrung nach und nach zu einer Art Sättigung kommen. Ich habe schon öfter erlebt, dass sich das gesamte System dadurch ausgeglichen hat und in Balance gekommen ist.
Das Kind ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgeglichener.
Wenn das System in Balance kommt – Ein Beispiel aus meiner Praxis
Während meiner Tätigkeit als Kinderpsychologin durfte ich einen Jungen über längere Zeit im Kindergarten begleiten. Er suchte intensive Sinneserfahrungen über alle drei Basissinne. Ruhiges Sitzen war kaum möglich und an die eigentliche Vorschularbeit war zunächst nicht zu denken.
Natürlich hätten wir uns gewünscht, möglichst rasch Fortschritte zu sehen. Die Schule rückte näher, und damit wuchs auch der Druck, den Jungen auf diesen nächsten Schritt vorzubereiten. Trotzdem entschieden wir uns als Team bewusst dafür, noch nicht mit Vorschulblättern zu beginnen und weiterhin den Fokus auf die „Nährung“ der Basissinne zu richten.
Anstatt ständig gegen seine Unruhe anzukämpfen, ermöglichten wir ihm weiterhin unterschiedlichste Sinneserfahrungen über die drei Basissinne. Wir machten gezielte Angebote und setzten dabei Hängematte, Rollbrett und Trampolin ein. Er konnte klettern, schaukeln, balancieren, ziehen, schieben, matschen und springen.
Im Kinderyoga bauten wir viel Bewegung und Anspannungs-Entspannungs-Spiele ein. Auch Massagespiele und unsere einfachen Kinderyoga-Sprüche zu den Flows liebte er sehr.
Etwa zwei Monate vor den Sommerferien machte er einen enormen Entwicklungsschritt. Er wurde deutlich ruhiger, seine Konzentrationsspanne nahm spürbar zu und plötzlich war auch die Vorschulvorbereitung möglich.
Natürlich entwickelt sich jedes Kind individuell und viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Dennoch hat mich dieses Erlebnis wieder mal bestärkt, wie wertvoll und ich möchte bewusst sagen unerlässlich es ist, die Basissinne für eine gute Entwicklungsförderung mit einzubeziehen.
Kinderyoga & die Basissinne – ein wunderbares Team
Als ich Yoga und insbesondere Kinderyoga durch Sibylle kennenlernen durfte, habe ich sehr schnell erkannt, dass sich damit alle Bereiche der kindlichen Entwicklung auf spielerische Weise wunderbar begleiten lassen – ganz ohne Konkurrenzdenken und ganz ohne Leistungsdruck.
Im Kinderyoga werden spielerisch alle drei Basissinne angesprochen, ohne dass Kinder das Gefühl haben, etwas trainieren zu müssen. Sie balancieren, stützen sich auf Hände und Füße, ziehen, drücken, rollen, krabbeln oder verwandeln sich in einer Yogageschichte in mutige Tiere. Dabei erleben sie ihren Körper auf ganz unterschiedliche Weise und sammeln spielerisch genau jene Sinneserfahrungen, die ihre Entwicklung unterstützen.
Ein sicherer Rahmen zur Entfaltung
Nicht umsonst begleitet uns der Kinderyoga-Schmetterling schon seit vielen Jahren als Logo. In der bunten Welt des Kinderyogas dürfen sich Kinder spielerisch entfalten, Neues entdecken und ausprobieren.
Doch bei all der Freiheit und Leichtigkeit ist natürlich auch im Kinderyoga ein klaren Rahmen ganz wichtig. Rituale und Regeln geben uns Sicherheit und Orientierung.
Gerade für Kinder, die bestimmte Reize noch vermeiden, ist eine unserer wichtigsten Regeln oft eine große Unterstützung:
„Meine Matte ist mein Königreich.“
Jedes Kind weiß: Hier habe ich meinen Platz. Hier werde ich nicht ungefragt berührt oder angerempelt. Gerade für Kinder, die Berührungen als unangenehm empfinden, kann das eine große Erleichterung sein und die Grundlage dafür schaffen, sich überhaupt auf neue Erfahrungen einzulassen.
Wechsel von Bewegung und Ruhe
Ein weiterer wertvoller Aspekt, den ich an unserem Kinderyoga besonders schätze, ist der bewusste Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung.
Ob bei unseren Mitmachliedern nach dem Stop-and-go-Prinzip, kurzen Bewegungsspielen wie dem Berg-Sandhaufen-Vulkan-Spiel oder unseren Zwischendurchspielen – die Kinder lieben den schnellen Wechsel von Bewegung und kurzen Pausen.
Ich durfte immer wieder beobachten, dass selbst Kinder, denen es noch sehr schwerfällt, zur Ruhe zu kommen, diese kurzen Momente des Loslassens und der Pause als angenehm und aufregend erleben. Und genau da wollen wir hin! Im Kinderyoga weiten wir dieses angenehme Empfinden von Ruhe spielerisch nach und nach aus.
Andersherum werden Kinder, die mehr zur Passivität neigen, motiviert, freudvoll mitzumachen und in Aktivität zu kommen.
Auch in unserem Kinderyoga-Baukastensystem haben aktive und ruhige Phasen in jeder Einheit ihren festen Platz. Oft fällt es Kindern nach intensiven Körpererfahrungen über Muskeln, Gelenke und Sehnen leichter, loszulassen und zur Ruhe zu finden.
Bei Atemübungen lernen sie, ihren Atem spielerisch zu lenken und neue Körperempfindungen (Bienenatmung, Gorillaatmung, Igelatmung, Sonnenstrahlatmung …) wahrzunehmen.
Kinderyoga knüpft an die Lebenswelt der Kinder an
Bei uns geht es im Kinderyoga sehr verspielt zu. Wir holen die Kinder dort ab, wo sie gerade stehen, und greifen Themen aus ihrer Lebenswelt auf. Im Sommer reisen wir gemeinsam ans Meer und verwandeln uns in Wellen, Surfer oder Möwen. Im Winter erleben wir eine Schneeflocken-Yogastunde oder begegnen Eisbären und Pinguinen.
Gerne verwenden wir auch Kinderyoga-Mitmachmusik und unsere liebevoll gezeichneten Asana-Karten. Sie laden die Kinder dazu ein, in Fantasiewelten einzutauchen, sich zu verwandeln und ihren Körper spielerisch zu erfahren.
In unserer Kinderyoga-Schatztruhe finden sich mittlerweile über 800 ausgearbeitete Kinderyoga-Einheiten zu den unterschiedlichsten Themen.
Auch wenn ich in diesem Artikel manche Themen nur streifen konnte, hoffe ich von Herzen, dass ich dich ein wenig neugierig gemacht habe, du vielleicht selbst einmal die Basissinne-Detektivbrille aufsetzt und das eine oder andere für die Kinder, die du begleitest, mitnehmen kannst. 💛



















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